Die Geschichte des Wing Tsun Kung-Fu
Vor ca.250 Jahren, während der Regierung der Ching-Dynastie, lebten
in einem Kloster in Zentral-China Mönche, die durch ihr Shaolin-Kung-Fu
sehr berühmt waren. Diese Berühmtheit war der Ching-Regierung ein Dorn
im Auge, und durch Verräter wurde das Kloster in Brand gesteckt. Die
überlebenden Mönche und ihre Schüler flüchteten, und verstreuten sich in
ganz China. Unter ihnen war Ng Mui, die einzige Frau im Kloster,
die auch eine buddhistische Shoalin-Kung-Fu Meisterin war.
Laut der Legende entwickelte Ng Mui nach der Flucht ein neues Kampfsystem,
das dem bisherigen Shaolin-Kung-Fu überlegen war. Die Beobachtung eines
Kampfes zwischen einem Kranich und einem Fuchs soll sie dabei inspiriert haben.
Die erste Schülerin von Ng Mui war die junge Yim Wing Tsun. Diese wurde von einem
ortsbekannten Schläger belästigt, der sie nötigen wollte, sie zu heiraten. Deshalb
nahm Ng Mui sie als Schülerin auf, damit sie sich selbst gegen den Schläger verteidigen
konnte. Nachdem Yim Wing Tsun drei Jahre von Ng Mui gelernt hatte, forderte sie den Schläger
zum Kampf heraus und besiegte ihn.
Yim Wing Tsun heiratete Leung Bok Chau, dem sie ihre Kampfkunst weitergab. Seiner Frau
zu Ehren nannte er es Wing Tsun Kuen. Leung Bok Chau gab die Kampfkunst dann an Leung Lan Kwai
weiter, einem Kräuter- und Knochenarzt. Dieser unterrichtete Wong Wah Bo, einen
Opern-Truppen-Schauspieler. Wong Wah Bo bewunderte die Langstock Techniken seines
Schauspieler-Kollegen Leung Yee Tei, welcher ebenso vom waffenlosen Kung-Fu Wong Wah Bos angetan war.
Sie trainierten viel gemeinsam, und so erhielt das Wing Tsun Kung-Fu seine Langstock-Techniken.
Leung Yee Tei gab sein Wissen an Leung Jan weiter, einem bekannten Arzt aus Fatshan. Fatshan war
damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, und so kam es, dass viele Kung-Fu Kämpfer nach
Fatshan reisten, um Leung Jan herauszufordern. Da er alle besiegte, nannte man ihn bald
Kung-Fu-König des Wing Tsun. Leung Jan hatte einige Schüler, darunter Chan Wah Shun, der
von Beruf Geldwechsler war. Dieser wurde zum Nachfolger von Leung Jan.
Der letzte Schüler Chan Wah Shuns war Yip Man. Im Alter von 13 Jahren begann er von Chan Wah Shun
und Ng Chung So, dessen ältesten Schüler und Assistenten, zu lernen. Als Yip Man 16 Jahre alt war,
starb Chan Wah Shun, und Yip Man ging nach Hongkong um dort zu studieren. Hier lernte er
Leung Bik kennen, einen Sohn von Leung Jan, der Yip Man vor allem die geheimgehaltenen,
"weichen" Techniken beibrachte.
Yip Man war der letzte Großmeister des Wing Tsun, der von allen Mitgliedern der Wing Tsun Familie
als Oberhaupt aktzeptiert wurde. Yip Mans letzter Schüler ist Großmeister Leung Ting, von dem
Großmeister Keith Kernspecht die Kunst des Wing Tsun Kung-Fu gelernt hat, und in Europa verbreitete.
Als Quelle diente das Buch "Die Geschichte des Yip-Man Stiles",
das im Wu Shu-Verlag Kernspecht erschienen ist. Wer sein Wissen
vertiefen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Ebenso finden sich
Angaben zur Geschichte in der "Wing Tsun Kuen" oder im Buch "Vom Zweikampf".
Auch diese Bücher sind im Wu Shu-Verlag Kernspecht erschienen.